-
„Eine Gruppe Jugendlicher, zwei Wochen in Nordspanien und ein uralter Pilgerweg:
Was nach Abenteuer klingt, wurde fĂŒr neun junge Menschen unserer Einrichtung
zu einer Erfahrung, die weit ĂŒber zerschundene FĂŒĂe und kaputte Schuhe hinausging.“
-
„Der Weg, der etwas mit dir macht“ – Neun Jugendliche auf dem Camino del Norte
-
Zwischen Atlantikbrandung und Bergpfaden
Der Camino del Norte ist nichts fĂŒr Romantiker, die nur schöne Postkartenmotive erwarten. Wir gingen ihn Ende Oktober und bekamen das echte Baskenland: steile KĂŒstenwege, schroffe WĂ€lder, Wolken, die die Berge verschlucken â und plötzlich wieder strahlende Sonne.
Mitten hindurch: Unsere neun Jugendlichen mit schweren RucksĂ€cken, Regencapes und die Lust, sich auf etwas einzulassen, von dem sie am Anfang nicht genau wussten, wohin es sie fĂŒhren wĂŒrde.
-

-

-
Mut zum Losgehen
Ihre GrĂŒnde waren so verschieden wie sie selbst: Neugier, Abenteuerlust, der erste Flug und vielleicht auch einfach der Wunsch, dem Alltag zu entfliehen. Spirituelle Motive? ZunĂ€chst kaum ein Thema. Doch sie alle trafen dieselbe Entscheidung nach einigen Probewanderungen im vergangenen FrĂŒhling: Ja, ich gehe diesen Weg. Mit allem, was dazugehört.
Und das bedeutete: Nix Wellnessmomente, keine gereinigten Hotelzimmer, keine Extras. Nur ein Weg. Unsere Gruppe. Jeder Tag neu. Jeder Schritt selbst gemacht. Abenteuer pur.
-
Ohne Handy – mitten im Leben Â

In einer Welt voller Displays und Ablenkungen war der Handy-verzicht fast der radikalste Schritt.
Doch er öffnete uns allen TĂŒren:
zu GesprÀchen, die sonst nie entstanden wÀren.
zu Stille, die sonst nie Raum gehabt hÀtte.
zu einem Miteinander, das sich nicht aus Likes speist, sondern aus Blicken, Gesten, Humor und gegenseitiger Hilfe.Was bleibt, wenn man sich nicht hinter einem Bildschirm verstecken kann? Echte Begegnung. Und manchmal sogar Freundschaft.
-

-

-
Gruppendynamik in Reinform
Pilgern ist die ehrlichste Form von Teamarbeit. Man schlĂ€ft, isst und geht zusammen â bis dahin, dass man sich riecht, in der Nacht die GerĂ€usche der anderen hört und man merkt: Ich bin ein Teil dieser Truppe.
Es wurde gestritten, gelacht, geteilt und getragen â RucksĂ€cke wie Stimmungen.
Und immer wieder ĂŒberraschten die Jugendlichen sich selbst:Wie selbstverstĂ€ndlich Wasser geteilt wurde.
Wie schnell jemand einsprang, wenn man nicht mehr konnte.
Man sich kĂŒmmerte, als die Schuhe endgĂŒltig aufgaben.Wie tröstlich es war, nach einem schlechten Tag doch irgendwo
gemeinsam im Schlafsaal ins Bett zu fallen oder noch ein
MĂ€xchen zu spielen.
-
Der alte Camino-Spirit
Der Camino hat seine eine eigene Energie, die sich schwer in Worte fassen lĂ€sst – und wir haben das spĂŒren können oder auch manchmal schmerzlich erfahren: Den Durst, den Hunger, die Blasen und das Hinfallen.
Es sind die fremden Pilger und die Leute, die einem am Wegesrand begegnen.
Es ist die warme Mahlzeit, eine gute Matratze und eine heiĂe Dusche.
Es ist die urige Kirche, in die man sich nur kurz setzt, um auszuruhen und dann stimmt jemand dort ein Liedchen an.Auch die Jugendlichen erlebten diesen Spirit. Nicht als religiöse Erleuchtung, sondern in den besonderen Begegnungen in einem Kloster und an heiligen Orten. Sie erfuhren die Kraft, die zwischen Anstrengung, Natur und Gemeinschaft entsteht.
-

-
Was bleibt, wenn der Rucksack wieder leer und die WĂ€sche gewaschen ist?
Am Ende unserer zwei Wochen ging jeder mit mehr nach Hause oder in die Wohngruppe:
mehr Vertrauen in sich selbst
mehr Mut, Neues zu wagen
mehr WertschĂ€tzung fĂŒr einfache Dinge
mehr VerstĂ€ndnis fĂŒr andere
mehr Ruhe im Kopf
Vor allem aber:
Es bleibt eine tiefe Erfahrung, die nachklingt.
Nicht laut, nicht spektakulÀr, aber in unserem inneren GepÀck.
-
Dies alles war nur möglich, dank unserer engagierten und groĂzĂŒgigen Spenderinnen und Spender.
Ihnen allen ein herzliches D A N K E!
Axel Bauer
