Kinder und Jugendliche wandern auf dem Jakobsweg

März 16, 2017

Mit Joe haben wir ein Stück unseres Weges zurückgelegt

Vom 30.09.2016 bis 14.10.2016 wanderten Kinder und Jugendliche aus unserer Einrichtung auf dem Jakobsweg. Auf dem Weg lernten Sie Joe kennen, der sie ein Stück des Weges begleitete.

Aus Joes Pilgertagebuch

O Falcão – peregrino

 (IV) A Casa do sardão

Auf dem Bild sieht man einen alten Bauernhof der heute eine Jugendherberge ist. Hugo und Ila leben mit Hugos Mutter und Oma dort. Früher wurden die Wände, lange Zeit bevor wir lebten, aus Steinen und Zement mit den Händen gebaut und nicht so wie wir es heute haben.

Du musstest dich immer ducken, wenn du von Zimmer zu Zimmer gehen wolltest. Die Betten mit sehr tollen und weichen Matratzen, weichen Kissen und dicken Bettdecken, waren ein großer Unterschied von den üblichen Herbergen mit Betten aus Kunststoff beschichteten Schaumstoffkissen.

Wenn man draußen war, konnte man sofort auf das Meer schauen und im „Hof“ waren Bäume mit Äpfeln und Birnen gepflanzt. Der Blick draußen war ein Traum.
Schafe sind auf dem Grundstück herumgelaufen und dort waren auch sehr freundliche Pferde. Sie waren nicht auf dem Grundstück sondern sie waren genau gegenüber von der Jugendherberge.

Hugos Mutter hat mich mitgenommen und hat mir den Platz gezeigt wo zum Beispiel die Zisterne, das Weingut und wo die alte Mühle war und hat mir erzählt, dass man gewohnt war, dort das Weizen in Mehl geschliffen hat. Dort warten 2 Räume zum Schlafen und eine Küche und ein Esszimmer mit einem alten Tisch und einem alten Schallplattenspier mit ein paar Schallplatten inklusive brasilianischer Samba Musik, welche ich persönlich gewählt habe. Mit uns und den Deutschen waren noch zwei andere Gäste dabei – Nina aus Dänemark und Nadja. Die Deutschen haben uns alle zum Abendessen eingeladen und Iva hat uns zu einem Supermarkt gefahren, sodass wir alle Zutaten kaufen können. Wir waren zu spät an der Jugendherberge angekommen, sodass wir den Sonnenuntergang über dem Meer sehen konnten, aber als die tolle Pilgergruppe das Fleisch fertig hatte, hatten wir alle Hunger. Als ich das Essen probiert habe, war es besser als jedes Restaurant, das für mich gekocht hat. Das war die erste Nacht in der ich eingesehen habe was für eine tolle Pilgergruppe das ist und zum Glück sind wir uns auch mehrere Male auf dem Weg begegnet.
Das ist echt eine spezielle Gruppe!

Insgesamt waren es 15 Leute in der deutschen Pilgergruppe, aber es waren 3 Erwachsene und 12 Teenager von 12 bis 18 Jahren. Bevor sie pilgern gegangen sind haben sie nur Tageswanderungen gemacht, um zu schauen wer es überhaupt schafft und wer Interesse dafür hatte. Alle von den Kindern hatten schon sehr viele Schwierigkeiten in ihrem Leben und diese Wanderung war etwas Gutes, damit sie mal in sich selbst hineingehen können und dann ein schönes Erlebnis für die Ruhe haben können.

Die drei Kapitänen – Monika, Anke und Patrick – haben geholfen den Tisch zu decken und mit mir eine tolle Unterhaltung geführt! So wie immer an jedem Abendessen haben sie ein Lied gesungen und es war Halleluja und jeder hat irgendwie mitgeholfen den Einkauf zu erledigen, das Fleisch vorzubereiten und später die Pfannen zu spülen. Ich habe noch nie so ein super Team gesehen, das nur positiv ist und bin immer noch beeindruckt von! Ich bin mir sicher, dass diese Eigenschaften von früher und auch jetzt kommen. Nach dem Abendessen und als alles fertig war, saßen sie noch gemeinsam am Tisch und haben über ihre Gefühle über diesen Tag gesprochen. Jede Person sollte fünf persönliche Dinge sagen und das mit Hilfe von den fünf Fingern.

Die waren:

  1. Daumen: Das Beste, was ich heute erlebt habe…
  2. Zeigefinger: Darauf hinweisen will ich…
  3. Mittelfinger: was mir im Mittelpunkt stand oder gestunken hat…
  4. Mein Schmuckstück (Ringfinger): Mein Schmuckstück heute war…
  5. Kleiner Finger: Das, was ich am meisten vermisst habe, oder was mir zu kurz gekommen ist…

Das war ein schöner Weg für jedes Kind – nur die Stille – jeder in der Gruppe war respektvoll und leise, aber manchmal haben sie auch Kommentare abgegeben oder gerade nicht verstanden, was der andere gesagt hat und hat nochmal nachgefragt, aber sonst haben sie wirklich nur zugehört. Es war ein schöner Abschluss für meinen Tag und für den Tag der Pilgergruppe, denn sie haben auch wirklich nachgedacht, was sie überhaupt für jeden Finger wählen. Und wir selber sogar haben es dann auch probiert und mussten nachdenken! Mit den Kindern bin ich richtig gut ausgekommen und ich habe denen erzählt, dass ich mich so wie ein richtiger Opa für die gefühlt habe, mit meinem weißen Bart, und der Bart war in bisschen wie Santa Claus. Ein Mädchen namens Sonja hat mir erzählt, dass sie denkt ich würde wie ein Teddybär aussehen. Ein Kind hat uns eine sehr tolle Muschel geschenkt und ich glaube es war die Lena. Ich liebe solche Sachen, die selbst gemacht sind! Die ganzen Muscheln hat die Anke gemacht und jeder trug so ein Symbol entweder um den Hals oder es hing an seinem Rucksack. Ab diesem Tag als ich es geschenkt bekommen habe, seitdem trage ich es auch wirklich jeden Tag.

In dieser Nacht, als fast alle schon zu Bett gegangen sind, Patrick, Isabella und ich saßen draußen, haben uns das Meer angeschaut und haben bis spät in die Nacht geredet. Alle Sterne haben sehr klar geschienen. Es war sehr wundervoll mit Patrick und Isabella Geschichten auszutauschen.

Patrick hat exzellent englisch gesprochen und Isabella hat es auch sehr gut hingekriegt. Also hatten wir wie gesagt eine tolle Zeit Geschichten auszutauschen und gemeinsam zu reden. Am nächsten Morgen sind wir alle eine Weile in unseren Betten geblieben und haben der Musik weiterhin zugehört. Es war Anke mit ihrer Flöte und es hörte sich so wie ein Kind an, aber es waren schöne Melodien, also auch ein schöner Tag! Ich habe mich gefühlt als ob ich bei einer deutschen Parade aufstehen würde. Wir alle sind schnell aufgestanden und haben uns fertig gemacht und alle haben dann ein paar Fotos zusammen gemacht und haben sich Tschüss gesagt. Isabella und ich sind als erstes losgegangen, und wir waren sicher, dass wir diese Gruppe nochmals treffen würden.

Es muss von mir jetzt einfach raus: Das Treffen mit dieser Gruppe ist mein Juwel von diesem Weg gewesen.

Übersetzt aus dem Englischen von Evangelia Noussi, Dezember 2016

 

Die Abendessen wurden gemeinsam eingenommen